Pensionsantritt vorbereiten
Beim Pensionsantritt entscheidet ein einziger Tag über Beträge, die ein Leben lang gelten. Der Stichtag bestimmt Höhe und Beginn der Pension. Wer zu spät oder zum falschen Zeitpunkt beantragt, verliert Geld, das sich nicht nachholen lässt.

Inhalt6 Abschnitte
Schritt 1: Pensionskonto prüfen
Fehlende Versicherungsmonate klärt man am besten vor dem Stichtag, danach wird es aufwendig.
Das Pensionskonto zeigt für jedes Jahr ab 2005 eine Teilgutschrift und daraus die Gesamtgutschrift. Als Teilgutschrift werden 1,78 % der jährlichen Beitragsgrundlage gutgeschrieben (Kontoprozentsatz). Die Gesamtgutschrift geteilt durch 14 ergibt die monatliche Bruttopension bei Antritt zum Regelpensionsalter. Die Systematik erklärt der Ratgeber zur Altersvorsorge.
Abrufbar ist das Konto mit ID Austria über das staatliche Pensionskonto-Portal oder die Website des Pensionsversicherungsträgers.
Worauf es ankommt: Fehlen Zeiten aus Ausbildung, Präsenz- oder Zivildienst, Karenz, Arbeitslosigkeit oder Auslandstätigkeit? Sind alle Dienstverhältnisse erfasst? Oft braucht es Nachweise, die Jahrzehnte zurückliegen. Je früher die Prüfung, desto besser lassen sich Lücken noch schließen, wie der Leitfaden Pensionslücke schließen zeigt.
Fehlende Schul- und Studienzeiten lassen sich nachkaufen. Der Nachkauf ist als Sonderausgabe unbegrenzt absetzbar und wirkt doppelt: Er erhöht die Pension und senkt im Jahr der Zahlung die Einkommensteuer.
Staatliches Pensionskonto
Transparente Übersicht über erworbene Pensionsansprüche im österreichischen Umlagesystem.
- Einsehbar mit ID Austria über www.meinesv.at
- Zeigt die monatliche Bruttopension zum Regelpensionsalter
- Basis zur Berechnung der persönlichen Pensionslücke
Schritt 2: Welche Pensionsart kommt infrage?
Nicht jeder Weg in die Pension ist gleich teuer, die Abschläge unterscheiden sich erheblich.
Regelpension: Antritt zum Regelpensionsalter, ohne Abschläge. Für Männer liegt es bei 65 Jahren. Für Frauen steigt es seit 2024 schrittweise von 60 auf 65, maßgeblich ist das Geburtsdatum.
Korridorpension: vorzeitiger Antritt mit Abschlägen. Seit 1. Jänner 2026 gelten strengere Voraussetzungen für alle, die ab dem 1. Jänner 1964 geboren sind: Das frühestmögliche Antrittsalter steigt je Geburtsquartal um zwei Monate, von 62 auf 63 Jahre. Die erforderlichen Versicherungsmonate steigen von 480 auf 504 (42 Jahre).
Schwerarbeitspension und Langzeitversichertenregelung haben eigene, günstigere Voraussetzungen. Wer körperlich belastende Arbeit geleistet hat, sollte prüfen lassen, ob Schwerarbeitsmonate anerkannt sind. Das kann den Antritt deutlich verbilligen.
Die Invaliditäts- oder Berufsunfähigkeitspension folgt einer eigenen Logik und setzt medizinische Gründe voraus.
Schritt 3: Antrag und Stichtag
Der Stichtag ist der teuerste Termin im ganzen Verfahren und er hängt allein vom Antragsdatum ab.
Zum Stichtag prüft der Träger, ob, in welcher Höhe und bei welchem Träger ein Pensionsanspruch besteht. Er ist immer ein Monatserster.
Geht der Antrag an einem Monatsersten ein, ist dieser Tag der Stichtag. Bei einem untermonatigen Antrag rückt der Stichtag auf den nächsten Monatsersten, die Pension beginnt dann einen Monat später als vielleicht geplant.
Empfohlen ist der Antrag rund 3 Monate vor dem gewünschten Stichtag. Möglich ist er frühestens 6 Monate davor und spätestens am Stichtag selbst.
Den Antrag nimmt der zuständige Pensionsversicherungsträger entgegen, online mit ID Austria, persönlich oder schriftlich. Bereitzuhalten sind Geburtsurkunde, Staatsbürgerschaftsnachweis, Nachweise über Ausbildungs- und Auslandszeiten, Heirats- oder Scheidungsurkunde sowie die Bankverbindung.
Zuverdienst neben der Pension
Ob ein Zuverdienst erlaubt ist, hängt entscheidend davon ab, ob das Regelpensionsalter bereits erreicht ist.
Ab dem Regelpensionsalter ist der Zuverdienst unbeschränkt. Die Alterspension wird nicht gekürzt. Auf das Erwerbseinkommen fallen Sozialversicherungsbeiträge an, die die Pension 2026 noch um einen geringen Betrag erhöhen (Höherversicherung). Für 2027 ist laut Arbeiterkammer eine Neuregelung vorgesehen: Der Pensionsversicherungsbeitrag der Beschäftigten soll ab dem Regelpensionsalter entfallen, im Gegenzug die Höherversicherung.
Vor dem Regelpensionsalter, also vor allem bei der Korridorpension, ist der Zuverdienst auf die Geringfügigkeitsgrenze von 551,10 € im Monat beschränkt. Wird sie überschritten oder entsteht eine Pflichtversicherung in der Pensionsversicherung, fällt die Pension für diesen Zeitraum ganz weg.
Das gilt auch für Selbstständige: Wer ein Gewerbe angemeldet hat und dadurch nach GSVG pflichtversichert ist, gefährdet den Anspruch, unabhängig von der Höhe des Gewinns.
Seit 1. Jänner 2026 gibt es außerdem die Teilpension: Wer Anspruch auf Alters-, Korridor-, Schwerarbeits- oder Langzeitversichertenpension hat und die Arbeitszeit mit Zustimmung des Arbeitgebers um 25 bis 75 Prozent verringert, bezieht einen Teil der Pension und arbeitet weiter. Das Entgelt muss dabei über der Geringfügigkeitsgrenze bleiben. Bei Invaliditäts- und Berufsunfähigkeitspensionen gelten eigene Zuverdienstregeln: Bis zur Geringfügigkeitsgrenze bleibt die Pension unverändert. Liegt das Erwerbseinkommen darüber und übersteigt das Gesamteinkommen aus Pension und Erwerb 1.599,99 Euro im Monat, wird die Pension um einen gestaffelten Anrechnungsbetrag gekürzt (Teilpension, § 254 ASVG); ganz weg fällt sie nicht.
Steuer und Krankenversicherung in der Pension
Steuer und Krankenversicherung bleiben, Arbeitslosen- und Pensionsbeiträge fallen weg.
Die Pension ist steuerpflichtiges Einkommen. Der Träger behält Lohnsteuer ein und berücksichtigt dabei den Pensionistenabsetzbetrag von bis zu 1.020 € im Jahr. Ab einem bestimmten Pensionseinkommen wird er eingeschliffen, darüber fällt er ganz weg.
Von der Pension geht ein Krankenversicherungsbeitrag ab. Beiträge zur Arbeitslosen- und Pensionsversicherung fallen anders als im Erwerbsleben nicht mehr an, vom Brutto bleibt also mehr netto.
Im Jahr des Pensionsantritts rechnen Arbeitgeber und Pensionsversicherung getrennt ab, jeder berechnet die Lohnsteuer nur für seinen Bezug. Erst die Veranlagung rollt beide Bezüge gemeinsam auf. Ob daraus eine Gutschrift oder eine Nachzahlung wird, hängt vom Verhältnis der beiden Bezüge ab. Verpflichtend ist die Veranlagung jedenfalls, wenn beide Bezüge zumindest zeitweise gleichzeitig geflossen sind (§ 41 Abs. 1 Z 2 EStG).
Sonderzahlungen: Auch die Pension kommt 14-mal. Die Sonderzahlungen werden begünstigt nach dem Jahressechstel besteuert.
Wer in der Pension weiter absetzbare Ausgaben hat, etwa Kirchenbeitrag, Spenden oder Krankheitskosten als außergewöhnliche Belastung, holt sich mit der Arbeitnehmerveranlagung Geld zurück.
Checkliste: die zwölf Monate vor dem Antritt
12 Monate vorher: Pensionskonto abrufen
Gesamtgutschrift prüfen, Lücken im Versicherungsverlauf identifizieren und Nachweise für fehlende Zeiten besorgen.
10 Monate vorher: Nachkauf und Beratung klären
Nachkauf von Schul- und Studienzeiten durchrechnen und die Beratung beim Pensionsversicherungsträger in Anspruch nehmen. Dort wird auch geprüft, welche Pensionsart am günstigsten ist.
6 Monate vorher: Stichtag festlegen
Gewünschten Pensionsbeginn festlegen und mit dem Arbeitgeber das Ende des Dienstverhältnisses abstimmen. Bei Korridor-, Schwerarbeits- oder Langzeitversichertenpension muss es spätestens am Letzten des Vormonats enden.
3 Monate vorher: Antrag stellen
Antrag mit allen Unterlagen einbringen. Frühestens 6 Monate vor dem Stichtag möglich, spätestens am Stichtag selbst.
1 Monat vorher: Resturlaub und Abfertigung
Offene Urlaubstage, Zeitguthaben und die Abfertigung klären. Bei der Abfertigung neu entscheiden, ob das Guthaben ausbezahlt, weiter veranlagt oder als Zusatzpension bezogen wird.
Nach dem Bescheid: prüfen
Den Pensionsbescheid gegen das Pensionskonto gegenrechnen. Gegen den Bescheid ist innerhalb von drei Monaten Klage beim Arbeits- und Sozialgericht möglich.
Häufige Fragen
Wann sollte der Pensionsantrag gestellt werden?
Empfohlen werden rund drei Monate vor dem gewünschten Stichtag. Frühestens ist der Antrag sechs Monate davor möglich, spätestens am Stichtag selbst. Wer später beantragt, bekommt die Pension erst ab dem folgenden Monatsersten, rückwirkend wird nicht ausbezahlt.
Was ist der Stichtag und warum ist er so wichtig?
Zum Stichtag werden Anspruch und Höhe der Pension geprüft. Er ist immer ein Monatserster. Geht der Antrag an einem Monatsersten ein, ist dieser der Stichtag, bei einem untermonatigen Antrag rückt er auf den nächsten Monatsersten. Bei vorzeitigen Pensionen wie der Korridorpension darf am Stichtag keine pensionsversicherungspflichtige Erwerbstätigkeit mehr bestehen. Die Alterspension zum Regelpensionsalter lässt sich dagegen auch neben dem Job antreten.
Wie hoch sind die Abschläge bei der Korridorpension?
0,425 % je Monat des vorzeitigen Antritts, also 5,1 % pro Jahr. Die Abschläge gelten dauerhaft, auch nach Erreichen des Regelpensionsalters. Wer zwei Jahre früher geht, verliert also rund 10,2 % der Pension auf Lebenszeit.
Was ändert sich 2026 bei der Korridorpension?
Für alle, die ab dem 1. Jänner 1964 geboren sind, steigt das frühestmögliche Antrittsalter je Geburtsquartal um zwei Monate, von 62 auf 63 Jahre. Die erforderlichen Versicherungsmonate steigen von 480 auf 504 (42 Jahre).
Ist Arbeiten neben der Pension erlaubt?
Nach dem Regelpensionsalter unbeschränkt. Vor dem Regelpensionsalter, etwa bei der Korridorpension, nur bis zur Geringfügigkeitsgrenze von 551,10 Euro im Monat. Wird sie überschritten oder entsteht eine Pflichtversicherung in der Pensionsversicherung, fällt die Pension für diesen Zeitraum komplett weg.
Braucht es in der Pension noch eine Steuererklärung?
Im Jahr des Pensionsantritts ist eine Veranlagung sinnvoll, weil Arbeitgeber und Pensionsversicherung getrennt abgerechnet haben. Ob es eine Gutschrift oder eine Nachzahlung gibt, hängt von den beiden Bezügen ab. Verpflichtend ist sie, wenn beide Bezüge zumindest zeitweise gleichzeitig geflossen sind. In den Jahren danach lohnt sie sich, wenn Sonderausgaben wie Kirchenbeitrag oder Spenden oder außergewöhnliche Belastungen wie Krankheitskosten angefallen sind.
Was passiert mit der betrieblichen Vorsorge (Abfertigung Neu) beim Pensionsantritt?
Es gibt drei Wege: Das Guthaben steuerfrei in eine Pensionskasse oder Versicherung übertragen, die daraus eine lebenslange, steuerfreie Zusatzrente zahlt. Das Kapital in der Vorsorgekasse weiter veranlagen lassen. Oder es auszahlen lassen, dann fällt ein begünstigter fester Steuersatz von 6 Prozent an.
Wie wirkt sich die schrittweise Anhebung des Frauenpensionsalters aus?
Seit 1. Jänner 2024 steigt das Regelpensionsalter für Frauen schrittweise von 60 auf 65 Jahre. Betroffen sind Frauen, die ab dem 1. Jänner 1964 geboren sind: Mit jedem späteren Geburtshalbjahr kommen sechs Monate dazu, bis 2033 für alle 65 Jahre gelten: Frauen, die ab dem 1. Juli 1968 geboren sind, gehen mit 65. Männer gehen mit 65 in Regelpension.
Allgemeine Information ohne Gewähr, keine Anlage-, Steuer- oder Finanzberatung und keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Konditionen sind Richtwerte mit dem Stand der letzten redaktionellen Prüfung. Die Anspruchsvoraussetzungen hängen von Geburtsdatum und Versicherungsverlauf ab. Verbindliche Auskunft gibt nur der zuständige Pensionsversicherungsträger.
Quellen und Rechtsgrundlagen
Die Zahlen auf dieser Seite stammen aus den folgenden amtlichen Quellen. Im Zweifel gilt die Quelle, denn Beträge und Regeln ändern sich jährlich.
- Pensionsversicherungsanstalt (PVA): Allgemeines Pensionsgesetz (APG) (Rechtsgrundlage für Staatliches Pensionskonto)
- Pensionsversicherung: Korridorpension, Voraussetzungen und Abschläge
- WKO: Geringfügige Beschäftigung (sozialrechtlich)
- Arbeiterkammer: Steuerwertetabelle 2026
- Pensionsversicherung: Pensionsantrag stellen, Fristen und Stichtag (Antragsfristen, Stichtagslogik und erforderliche Unterlagen)
- RIS: Allgemeines Sozialversicherungsgesetz (ASVG), geltende Fassung (Anspruchsvoraussetzungen und Stichtagsdefinition)
- BMF: Steuertarif und Steuerabsetzbeträge (Pensionistenabsetzbetrag und Einschleifregelung)
- RIS: Allgemeines Pensionsgesetz (APG) (Regelungen zum Pensionskonto, Kontoprozentsatz 1,78 % und Korridorpension)
- Sozialministerium: Alterspension (Bei Erreichen des Regelpensionsalters muss die Erwerbstätigkeit nicht beendet werden; Regelpensionsalter der Frauen)
- Sozialministerium: Teilpension (Teilpension seit 1. Jänner 2026 bei Verringerung der Arbeitszeit)
- Arbeiterkammer Wien: Arbeiten ab dem Regelpensionsalter: Das ändert sich 2027 (Höherversicherung bei Zuverdienst 2026, geplanter Entfall des Pensionsversicherungsbeitrags ab 2027)
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