Steuer-Themen

Karenz & Elternzeit

Welche Kinderbetreuungsgeld-Variante, wie lange Karenz, wer wie viel übernimmt: Rund um die Geburt fallen Entscheidungen, die über Tausende Euro bestimmen und sich später kaum noch korrigieren lassen. Diese Übersicht bündelt Varianten, Meldefristen, Kündigungsschutz, Zuverdienstgrenzen und den Steuereffekt beim Wiedereinstieg.

Mutter hält ihr lächelndes Baby
Foto: King Shooter, Pexels

Zu den Absetzbeträgen für Familien

Inhalt7 Abschnitte

Karenz und Kinderbetreuungsgeld sind zwei Dinge

Der häufigste Irrtum und die Quelle der meisten Fehler bei den Fristen.

Karenz ist das Recht, sich vom Arbeitgeber freistellen zu lassen. Sie ist unbezahlt, gemeldet wird sie beim Arbeitgeber. Für Geburten ab 1. November 2023 gilt: Ein Elternteil allein kann längstens bis zum 22. Lebensmonat des Kindes in Karenz gehen. Bis zum zweiten Geburtstag reicht die Karenz nur, wenn auch der andere Elternteil mindestens zwei Monate Karenz nimmt; Alleinerziehende können bis zum zweiten Geburtstag in Karenz bleiben.

Das Geld kommt von anderer Stelle: Kinderbetreuungsgeld zahlt der Krankenversicherungsträger (ÖGK, SVS oder BVAEB), und dort wird es auch beantragt. Es kann länger oder kürzer laufen als die Karenz, beides ist voneinander unabhängig.

Die Folge im Alltag: Wer die Karenz beim Arbeitgeber meldet, hat damit noch keinen Cent beantragt. Und wer Kinderbetreuungsgeld über das Ende der Karenz hinaus bezieht, ist in dieser Zeit nicht mehr in Karenz: Der Kündigungsschutz endet früher als die Geldleistung.

Karenz teilen: Die Karenz kann zweimal zwischen den Elternteilen geteilt werden. Jeder Teil muss mindestens zwei Monate dauern. Beim ersten Wechsel ist ein Monat gleichzeitige Karenz möglich, das verkürzt die Gesamtdauer um einen Monat.

Leistung

Karenz, Kinderbetreuungsgeld & Familienzeit

Staatliche Leistungen und steuerliche Auswirkungen während der Elternkarenz in Österreich.

Aktueller Wert15.016 €KBG-Konto bei Einzelbezug (Gesamtbetrag)
  • Kinderbetreuungsgeld als Konto (bis 18.760 € bei geteiltem Bezug) oder einkommensabhängig (80 % des Wochengeldes, höchstens 80,12 € am Tag)
  • Familienzeitbonus für Väter in der Familienzeit direkt nach der Geburt
  • Zuverdienstgrenzen beachten (18.000 € beim Konto, 8.600 € einkommensabhängig), sonst droht eine Rückforderung
  • Wochengeld und Kinderbetreuungsgeld sind steuerfrei

Die zwei Kinderbetreuungsgeld-Varianten im Vergleich

Die Entscheidung fällt bei der ersten Antragstellung und bindet beide Elternteile.

Konto-Variante (pauschal): Ein fester Gesamtbetrag, 15.016 € bei einem Elternteil und 18.760 € bei geteiltem Bezug, verteilt sich auf die gewählte Bezugsdauer. Je kürzer der Bezug, desto höher der Tagsatz. Die Spanne reicht von 41,14 € bis 17,65 € am Tag.

Bei alleinigem Bezug ist eine Dauer zwischen 365 und 851 Tagen ab der Geburt wählbar, der Bezug endet also zwischen dem 12. und dem 28. Lebensmonat.

Einkommensabhängige Variante: Sie ersetzt 80 % des Wochengeldes, höchstens 80,12 € am Tag. Sie läuft bis zum ersten Geburtstag; beziehen beide Elternteile, verlängert sich die Dauer bis längstens zum vollendeten 14. Lebensmonat. Voraussetzung sind 182 Tage Erwerbstätigkeit vor der Geburt.

Faustregel: Die einkommensabhängige Variante lohnt sich bei höherem Vorverdienst und geplanter kurzer Unterbrechung. Die Konto-Variante passt bei niedrigerem Einkommen oder wenn eine lange Bezugsdauer gewünscht ist. Mehr zur Wahl im Ratgeber Kinderbetreuungsgeld.

MerkmalKonto-VarianteEinkommensabhängig
HöheFester Gesamtbetrag, auf die Dauer verteilt80 % des Wochengeldes
Tagsatz41,14 € bis 17,65 €höchstens 80,12 €
Gesamtbetrag15.016 € allein / 18.760 € geteiltabhängig vom Vorverdienst
Bezugsdauer allein365 bis 851 Tagebis zum 1. Geburtstag
Bezugsdauer geteiltbis zu 1.063 Tagebis zum 14. Lebensmonat
Zuverdienstgrenze18.000 € im Jahr8.600 € im Jahr
Voraussetzungkeine Vorbeschäftigung nötig182 Tage Erwerbstätigkeit vor der Geburt
Kinderbetreuungsgeld 2026 im Vergleich

Partnerschaftsbonus und Familienzeitbonus

Geld für Paare, die sich den Bezug annähernd gleich aufteilen.

500 € je Elternteil1.000 €Partnerschaftsbonus Gesamt
innerhalb von 91 Tagen nach der Geburt28 bis 31 TageFamilienzeitbonus

Partnerschaftsbonus: Bezieht jeder Elternteil mindestens 124 Tage Kinderbetreuungsgeld und teilen die Eltern die Bezugsdauer annähernd gleich auf (im Verhältnis zwischen 50:50 und 40:60), gibt es zusätzlich 500 € je Elternteil, also 1.000 € für das Paar.

Von selbst kommt der Bonus nicht: Beantragt wird er nach dem Ende des Bezugs beider Elternteile beim Krankenversicherungsträger, spätestens 124 Tage danach. An dieser Frist scheitert er am häufigsten.

Familienzeitbonus („Papamonat“): eine Leistung für Väter, die sich innerhalb von 91 Tagen nach der Geburt durchgehend 28 bis 31 Tage ausschließlich der Familie widmen. Frühester Beginn ist in der Regel die Entlassung von Mutter und Kind aus dem Krankenhaus. Voraussetzung sind die Unterbrechung der Erwerbstätigkeit und der gemeinsame Haushalt mit Mutter und Kind.

Seit 2023 wird der Familienzeitbonus nicht mehr auf ein später bezogenes Kinderbetreuungsgeld des Vaters angerechnet.

Fristen, an denen Geld und Schutz hängen

Der Fahrplan von der Meldung der Schwangerschaft bis zum Partnerschaftsbonus.

1

Schwangerschaft melden

Sobald die Schwangerschaft bekannt ist, dem Arbeitgeber melden. Der Kündigungsschutz besteht schon ab Beginn der Schwangerschaft; mit der Meldung greifen auch die Schutzpflichten des Arbeitgebers. Wird in Unkenntnis der Schwangerschaft gekündigt, ist sie binnen fünf Arbeitstagen bekanntzugeben (§ 10 Abs. 2 MSchG).

Tipp: Die Meldung ist formfrei, aus Beweisgründen aber schriftlich mit ärztlicher Bestätigung sinnvoll.
2

Mutterschutz: acht Wochen vor und nach der Geburt

Absolutes Beschäftigungsverbot. In dieser Zeit fließt Wochengeld von der Gesundheitskasse (ÖGK), nicht das reguläre Gehalt vom Arbeitgeber.

3

Karenz melden: spätestens am Ende des Mutterschutzes

Die Mutter meldet Beginn und Dauer der Karenz bis zum Ende der Schutzfrist nach der Geburt. Der Vater meldet spätestens acht Wochen nach der Geburt, wenn er unmittelbar anschließen will.

Tipp: Wer die Frist versäumt, verliert den Rechtsanspruch für diesen Zeitraum.
4

Kinderbetreuungsgeld beantragen

Beim zuständigen Krankenversicherungsträger (ÖGK, SVS oder BVAEB), rückwirkend höchstens 182 Tage. Variante und Bezugsdauer werden hier festgelegt.

5

Wechsel zwischen den Elternteilen rechtzeitig melden

Beim eigenen Arbeitgeber spätestens drei Monate vor dem geplanten Beginn der eigenen Karenz melden.

6

Partnerschaftsbonus nach Bezugsende beantragen

Er wird nicht automatisch ausbezahlt. Spätestens 124 Tage nach dem Ende des Bezugs beider Elternteile beim Krankenversicherungsträger beantragen.

Kündigungsschutz und Elternteilzeit

Schutz vor Kündigung und das Recht auf kürzere Arbeitszeit bis zum achten Geburtstag.

nach Ende der Karenz4 WochenNachwirkender Kündigungsschutz
Rechtsanspruch ab 21 Beschäftigten8. GeburtstagElternteilzeit längstens bis zum
pro Woche12 StundenMindestarbeitszeit bei Elternteilzeit

Kündigungs- und Entlassungsschutz besteht ab Beginn der Schwangerschaft und läuft bis vier Wochen nach dem Ende der Karenz. Eine Kündigung in dieser Zeit ist nur mit vorheriger Zustimmung des Gerichts wirksam. Wusste der Arbeitgeber bei der Kündigung nichts von der Schwangerschaft, wird sie trotzdem unwirksam, wenn die Schwangerschaft binnen fünf Arbeitstagen bekanntgegeben wird, bei schriftlicher Kündigung binnen fünf Arbeitstagen ab Zustellung (§ 10 Abs. 2 MSchG).

Bei Teilung der Karenz gilt der Schutz für beide Elternteile jeweils während ihrer eigenen Karenz, nicht durchgehend für beide.

Elternteilzeit ermöglicht, die Arbeitszeit bis längstens zum achten Geburtstag des Kindes zu verkürzen oder zu verlegen. Einen Rechtsanspruch gibt es in Betrieben mit mehr als 20 Beschäftigten und nach mindestens drei Jahren ununterbrochener Betriebszugehörigkeit; sonst ist sie mit dem Arbeitgeber zu vereinbaren.

Die Arbeitszeit muss dabei um mindestens 20 Prozent sinken und darf 12 Wochenstunden nicht unterschreiten. Während der Elternteilzeit besteht Kündigungsschutz bis längstens vier Wochen nach dem vierten Geburtstag des Kindes, danach ein Motivkündigungsschutz.

Wer Elternteilzeit plant, sollte sie früh ansprechen: Besteht ein Rechtsanspruch, ist sie spätestens drei Monate vor dem Beginn schriftlich bekanntzugeben, mit Beginn, Dauer und Lage der Arbeitszeit. Bei Uneinigkeit läuft ein gesetzlich geregeltes Verfahren.

Wiedereinstieg: warum sich die Veranlagung fast immer lohnt

Wer unterjährig wieder zu arbeiten beginnt, bekommt über die Veranlagung meist Lohnsteuer zurück.

2026 · pro Kind und Jahr2.000 €Familienbonus Plus (höchstens)Quelle: Arbeiterkammer: Steuerwertetabelle 2026 (öffnet in neuem Tab)
2026 · mit Pendlerpauschale1.554 €Negativsteuer / SV-Rückerstattung (höchstens)Quelle: BMF: Absetzbeträge bei niedrigen Einkünften (SV-Rückerstattung) (öffnet in neuem Tab)

Wer unterjährig wieder einsteigt, hat in den Monaten ohne Erwerbseinkommen keine Lohnsteuer gezahlt. Die Lohnverrechnung der Beschäftigungsmonate rechnet aber so, als wäre das Monatsgehalt das ganze Jahr über bezogen worden. Dadurch wird zu viel Lohnsteuer einbehalten, und es entsteht fast immer eine Gutschrift.

Beispiel: Eine Mutter steigt im September mit 2.500 € brutto wieder ein. Von Jänner bis August hat sie steuerfreies Kinderbetreuungsgeld bezogen, ab September Gehalt. Aufs Jahr gerechnet ist ihr steuerpflichtiges Einkommen niedrig, die Lohnsteuer aus den vier Monaten bekommt sie über die Arbeitnehmerveranlagung ganz oder teilweise zurück.

Je nach Familie kommen dazu:

Wochengeld (§ 3 Abs. 1 Z 4 lit. a EStG) und Kinderbetreuungsgeld (§ 3 Abs. 1 Z 5 lit. b EStG) sind steuerfrei und werden nicht hochgerechnet. Die Hochrechnung nach § 3 Abs. 2 EStG betrifft etwa Arbeitslosengeld und Notstandshilfe: Wer im selben Jahr solche Bezüge hatte, bekommt unter Umständen eine kleinere Gutschrift; das Finanzamt prüft automatisch, ob die Rechnung mit oder ohne Hochrechnung günstiger ist.

Zuverdienst neben dem Kinderbetreuungsgeld

Wie viel neben dem Bezug erlaubt ist, ohne dass Geld zurückgefordert wird.

Bei der Konto-Variante liegt die Zuverdienstgrenze bei 18.000 € im Kalenderjahr oder, wenn das günstiger ist, bei einem individuellen Grenzbetrag von 60 % der Einkünfte vor der Geburt. Bei der einkommensabhängigen Variante liegt sie bei 8.600 €.

Maßgeblich ist nur das Einkommen des beziehenden Elternteils in den Kalendermonaten, in denen Kinderbetreuungsgeld bezogen wurde. Ein Verdienst vor der Geburt oder nach dem Ende des Bezugs zählt nicht mit.

Wird die Grenze überschritten, ist grundsätzlich nur der übersteigende Betrag zurückzuzahlen, nicht das ganze Kinderbetreuungsgeld.

Geprüft wird im Nachhinein anhand des Einkommensteuerbescheids, eine Rückforderung kann daher Jahre später eintreffen. Wer nahe an der Grenze liegt, legt besser etwas zur Seite.

Häufige Fragen

Wie lange dauert der Kündigungsschutz?

Ab Beginn der Schwangerschaft bis vier Wochen nach dem Ende der Karenz. Eine Kündigung in dieser Zeit ist nur mit vorheriger Zustimmung des Gerichts wirksam. Kündigt der Arbeitgeber in Unkenntnis der Schwangerschaft, genügt es, sie binnen fünf Arbeitstagen bekanntzugeben (§ 10 Abs. 2 MSchG). Der Schutz hängt an der Karenz, nicht am Kinderbetreuungsgeld: Wer länger Geld bezieht, als er in Karenz ist, verliert den Schutz früher.

Was ist der Unterschied zwischen Papamonat und Familienzeitbonus?

Der Papamonat ist die arbeitsrechtliche Freistellung gegenüber dem Arbeitgeber, ein Monat unbezahlt nach der Geburt. Der Familienzeitbonus ist die Geldleistung des Krankenversicherungsträgers für diese Zeit. Die Freistellung wird beim Arbeitgeber angekündigt, der Bonus getrennt davon beantragt.

Wann besteht ein Rechtsanspruch auf Elternteilzeit?

Einen Rechtsanspruch bis zum achten Geburtstag des Kindes gibt es in Betrieben mit mehr als 20 Beschäftigten, wenn das Dienstverhältnis mindestens drei Jahre ununterbrochen bestanden hat. Die Arbeitszeit muss um mindestens 20 % sinken und darf 12 Wochenstunden nicht unterschreiten. In kleineren Betrieben kann Elternteilzeit vereinbart werden.

Ist geringfügige Arbeit während der Karenz erlaubt?

Ja. Eine geringfügige Beschäftigung bis zur Geringfügigkeitsgrenze von 551,10 € im Monat ist beim bisherigen und bei einem anderen Arbeitgeber zulässig, ohne dass die Karenz endet.

Lohnt sich die Arbeitnehmerveranlagung im Jahr des Wiedereinstiegs?

Fast immer. Weil die Lohnverrechnung der Beschäftigungsmonate von einem ganzjährigen Einkommen ausgeht, wurde zu viel Lohnsteuer einbehalten. Dazu kommen Familienbonus Plus, Alleinverdiener- oder Alleinerzieherabsetzbetrag und gegebenenfalls der Kindermehrbetrag oder die Negativsteuer.

Allgemeine Information ohne Gewähr, keine individuelle Steuerberatung. Maßgeblich sind die geltenden Gesetze und der Bescheid des Finanzamts. Beträge und Grenzen ändern sich mit jedem Steuerjahr.

Quellen und Rechtsgrundlagen

Die Zahlen auf dieser Seite stammen aus den folgenden amtlichen Quellen. Im Zweifel gilt die Quelle, denn Beträge und Regeln ändern sich jährlich.

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