Was kann ich absetzen? Die Checkliste
Vor dem Abschicken der Arbeitnehmerveranlagung lohnt ein Durchgang durch diese Liste. Jeder Punkt nennt Höhe, Formularfeld und die Belege, die bereitliegen sollten. Was weder automatisch übermittelt wird noch in der Erklärung steht, berücksichtigt das Finanzamt nicht von sich aus, nachgefragt wird nicht.

Zur Schritt-für-Schritt-Anleitung
Inhalt6 Abschnitte
So funktioniert die Checkliste
Die Liste ist nach Wirkung sortiert: zuerst Absetzbeträge, die die Steuer eins zu eins senken, zuletzt Posten mit Selbstbehalt.
Was die vier Blöcke bringen:
- Block 1 (Absetzbeträge): Ein Euro Absetzbetrag spart einen Euro Steuer.
- Block 2 und 3 (Werbungskosten und Sonderausgaben): Sie mindern das zu versteuernde Einkommen. Die Ersparnis entspricht dem Grenzsteuersatz, bei 40 Prozent also 40 Euro je 100 Euro Ausgaben.
- Block 4 (außergewöhnliche Belastungen): Sie wirken meist erst über dem Selbstbehalt. Ohne Selbstbehalt zählen unter anderem Kosten bei Behinderung, Katastrophenschäden und die auswärtige Berufsausbildung eines Kindes (§ 34 Abs. 6 EStG).
Belege werden nicht mitgeschickt. Das Finanzamt kann sie stichprobenartig anfordern, deshalb bleiben sie sieben Jahre in der Ablage. Für automatisch gemeldete Sonderausgaben wie Kirchenbeitrag und Spenden ist das nicht nötig.
Fünf Jahre rückwirkend: Die Antragsveranlagung ist für fünf Jahre möglich. Ein vergessener Posten lässt sich also noch nachholen.
| Block | Wirkung | Hürde | Beispiele |
|---|---|---|---|
| 1: Absetzbeträge | direkt von der Steuer | keine, teils als Negativsteuer ausbezahlt | Familienbonus Plus, AVAB/AEAB, Pendlereuro |
| 2: Werbungskosten | mindern die Bemessungsgrundlage | wirken großteils erst über 132 € im Jahr | Arbeitsmittel, Fortbildung, Mobiliar für Telearbeit, Pendlerpauschale |
| 3: Sonderausgaben | mindern die Bemessungsgrundlage | teils gedeckelt oder automatisch gemeldet | Kirchenbeitrag (bis 600 €), Spenden, Steuerberatung |
| 4: Außergewöhnliche Belastungen | mindern die Bemessungsgrundlage | Selbstbehalt von 6 % bis 12 % des Einkommens | Krankheitskosten, Zahnersatz, Begräbnis, Behinderung |
Arbeitnehmerveranlagung (Lohnsteuerausgleich)
Rückforderung zu viel bezahlter Lohnsteuer beim Finanzamt Österreich.
- Kann bis zu 5 Jahre rückwirkend eingereicht werden
- Vollständig digital über FinanzOnline / ID Austria durchführbar
- Antragslose Veranlagung greift ab der zweiten Jahreshälfte für einfache Fälle automatisch
- Wie viel zurückkommt, hängt von Einkommen, Absetzbeträgen und Ausgaben ab
Block 1: Absetzbeträge (wirken 1:1 direkt auf die Steuer)
Diese Posten mindern die Steuer Euro für Euro. Belege braucht es dafür kaum, meist genügen Angaben.
Block 2: Werbungskosten (wirken über 132 € Pauschale)
Die Pauschale von 132 € wird automatisch berücksichtigt. Erst was darüber liegt, bringt zusätzlich etwas. Pendlerpauschale, Gewerkschaftsbeiträge und Mobiliar für die Telearbeit zählen unabhängig davon.
Block 3: Sonderausgaben & automatische Meldungen
Vieles wird automatisch übermittelt. Prüfen lohnt sich trotzdem, Fehlendes lässt sich klären.
Block 4: Außergewöhnliche Belastungen
Diese Posten wirken meist erst über dem Selbstbehalt von 6 % bis 12 % des Einkommens. Er sinkt um je einen Prozentpunkt bei AVAB/AEAB und je Kind.
Außergewöhnliche Belastungen
Steuerlich absetzbare private Aufwendungen (§§ 34, 35 EStG), die außergewöhnlich sind, zwangsläufig erwachsen und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit wesentlich beeinträchtigen.
- Die Ausgabe muss außergewöhnlich und zwangsläufig sein und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit wesentlich beeinträchtigen
- Mit Selbstbehalt: Krankheitskosten, Kur, Begräbniskosten bis 20.000 €; Pflegeheim ohne Behinderung oder wenn unterhaltspflichtige Angehörige zahlen
- Pflegeheim und Betreuung bei Behinderung ab 25 % (bei Pflegegeldbezug wird sie angenommen): ohne Selbstbehalt, gekürzt um das Pflegegeld (§ 34 Abs. 6 EStG)
- Selbstbehalt 6 % bis 12 % des Einkommens, je ein Prozentpunkt weniger bei Alleinverdiener- oder Alleinerzieherabsetzbetrag und je Kind
- Ohne Selbstbehalt: Behinderung ab 25 %, auswärtige Berufsausbildung eines Kindes, Katastrophenschäden
- Ersätze von Kasse oder Versicherung sind abzuziehen
| Einkommen im Jahr | Selbstbehalt |
|---|---|
| bis 7.300 € | 6 % |
| über 7.300 € bis 14.600 € | 8 % |
| über 14.600 € bis 36.400 € | 10 % |
| über 36.400 € | 12 % |
Belege richtig organisieren
Mit einer einfachen Ablage ist eine Nachfrage des Finanzamts in wenigen Minuten beantwortet.
Jahresordner anlegen
Für jedes Steuerjahr einen Ordner anlegen, gern digital, mit vier Unterordnern: Absetzbeträge, Werbungskosten, Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen.
Jahresaufstellung führen
Eine einfache Liste mit Datum, Aussteller, Betrag, Formularfeld und beruflicher Begründung erspart das Nachrechnen.
Mit dem Lohnzettel abgleichen
Im Jahreslohnzettel in FinanzOnline prüfen, was der Arbeitgeber schon berücksichtigt hat, etwa Pendlerpauschale, Gewerkschaftsbeiträge oder Telearbeitspauschale.
Sieben Jahre aufbewahren
Die Belege sieben Jahre aufbewahren, das Finanzamt kann sie zur Überprüfung verlangen. Für automatisch gemeldete Sonderausgaben ist das nicht nötig.
Häufige Fragen zur Checkliste
Lohnt sich der Antrag auch ohne einen einzigen Beleg?
Ja, in vielen Fällen. Absetzbeträge wie Familienbonus Plus, Alleinverdienerabsetzbetrag oder Pendlereuro brauchen keine Belege im engeren Sinn, sondern nur Angaben. Dazu kommt die Negativsteuer bei geringem Einkommen. Auch wer keine einzige Rechnung gesammelt hat, bekommt deshalb oft Geld zurück.
Wie viel bringt ein Euro Werbungskosten wirklich?
So viel wie der Grenzsteuersatz. Bei 40 Prozent bringen 100 Euro Werbungskosten 40 Euro. Absetzbeträge wirken dagegen eins zu eins: 100 Euro Absetzbetrag sind 100 Euro weniger Steuer. Deshalb steht Block 1 in dieser Liste an erster Stelle.
Was passiert, wenn etwas zu Unrecht eingetragen wird?
Das Finanzamt kann den Bescheid berichtigen und den Betrag nachfordern. Bei vorsätzlich falschen Angaben drohen finanzstrafrechtliche Folgen. Wer einen Fehler bemerkt, sollte ihn selbst berichtigen, über FinanzOnline oder eine Selbstanzeige, solange keine Prüfung eingeleitet ist.
Müssen die Belege mitgeschickt werden?
Nein. Belege werden der Erklärung nicht beigelegt, sind aber sieben Jahre aufzubewahren. Das Finanzamt fordert sie stichprobenartig an. Eine einfache Jahresaufstellung mit Datum, Zweck und Betrag spart im Anlassfall viel Zeit.
Wo stehen die Kennzahlen im Formular?
Die Kennzahlen stehen neben den Eingabefeldern im Formular L1 und in den Beilagen L1ab (außergewöhnliche Belastungen), L1k (Kinder) und L1d (Sonderausgaben). In FinanzOnline sind sie ebenfalls angeführt. Diese Checkliste nennt sie je Posten mit, soweit es eine eigene Kennzahl gibt.
Wie weit zurück lässt sich die Erklärung einreichen?
Fünf Jahre. Im Jahr 2026 also noch für die Jahre 2021 bis 2025, für 2021 bis Ende 2026. Jedes Jahr wird gesondert eingereicht, Ausgaben aus verschiedenen Jahren lassen sich nicht zusammenfassen. Bei einer Pflichtveranlagung gelten kürzere Fristen.
Allgemeine Information ohne Gewähr, keine individuelle Steuerberatung. Maßgeblich sind die geltenden Gesetze und der Bescheid des Finanzamts. Beträge und Grenzen ändern sich mit jedem Steuerjahr.
Quellen und Rechtsgrundlagen
Die Zahlen auf dieser Seite stammen aus den folgenden amtlichen Quellen. Im Zweifel gilt die Quelle, denn Beträge und Regeln ändern sich jährlich.
- FinanzOnline / BMF: § 41 EStG (Rechtsgrundlage für Arbeitnehmerveranlagung (Lohnsteuerausgleich))
- Arbeiterkammer: Steuerwertetabelle 2026
- BMF: Kilometergeld, Sätze und Höchstgrenzen
- BMF: Sonderausgaben im Einzelnen
- RIS: § 34 EStG, Außergewöhnliche Belastungen und Selbstbehalt
- BMF: Steuertarif und Steuerabsetzbeträge (Absetzbeträge und ihre Höhe)
- RIS: Einkommensteuergesetz 1988 (EStG), geltende Fassung (§ 16 (Werbungskosten), § 18 (Sonderausgaben) und § 34 EStG (außergewöhnliche Belastungen))
- BMF: Pendlerrechner (Ermittlung von Pendlerpauschale und Pendlereuro)
- RIS: § 33 EStG, Steuersätze und Steuerabsetzbeträge (§ 33 Abs. 6 EStG: Pensionistenabsetzbetrag 2026)
- BMF: Das Steuerbuch 2026 (Formular L1 2025 mit Kennzahlen, Beilage L1d, Arbeitskleidung, Aufbewahrung der Belege)
- BMF: ABC der Werbungskosten (Privatanteil bei Computer und Handy)
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