Steuer-Themen

Krankenstand, Krankengeld und Steuer

Im Krankenstand zahlt zuerst der Arbeitgeber weiter, dann nur noch zur Hälfte, schließlich übernimmt die Gesundheitskasse. Steuerlich wird jede dieser Phasen anders behandelt. Weil zwei Stellen getrennt abrechnen, folgt im nächsten Jahr eine Pflichtveranlagung, unabhängig von der Höhe des Einkommens und oft mit Nachzahlung.

Frau ruht sich mit einer Tasse Tee auf dem Sofa aus
Foto: Pavel Danilyuk, Pexels

Zur Arbeitnehmerveranlagung

Inhalt7 Abschnitte

Entgeltfortzahlung: wie lange der Arbeitgeber zahlt

Die Dauer richtet sich nach der Dauer des Arbeitsverhältnisses und steigt in drei Stufen.

2026 · Entgeltfortzahlung8 WochenVolles Entgelt ab dem 2. DienstjahrQuelle: Arbeiterkammer: Geld bei Krankheit, Entgeltfortzahlung und Krankengeld (öffnet in neuem Tab)
2026 · plus halbes Krankengeld4 WochenHalbes Entgelt vom ArbeitgeberQuelle: Arbeiterkammer: Geld bei Krankheit, Entgeltfortzahlung und Krankengeld (öffnet in neuem Tab)
je Anlassfall8 WochenEigener Anspruch bei Arbeitsunfall

Im Krankenstand zahlt zunächst der Arbeitgeber das volle Entgelt weiter (Entgeltfortzahlungsgesetz bzw. Angestelltengesetz). Danach folgt eine Phase mit halbem Entgelt, in der die Gesundheitskasse das halbe Krankengeld dazugibt. Erst wenn beides ausgeschöpft ist, zahlt die Gesundheitskasse das volle Krankengeld.

Die Ansprüche gelten je Arbeitsjahr, gerechnet ab dem Eintritt, nicht je Kalenderjahr; ein Kollektivvertrag oder eine Betriebsvereinbarung kann auf das Kalenderjahr umstellen. Mehrere Krankenstände im selben Arbeitsjahr werden zusammengezählt, mit jedem neuen Arbeitsjahr entsteht der Anspruch neu.

Bei Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten gilt ein eigener Anspruch von bis zu acht Wochen je Anlassfall (nach 15 Dienstjahren zehn Wochen), unabhängig von den bereits verbrauchten Zeiten.

Dauer des ArbeitsverhältnissesVolles EntgeltHalbes EntgeltGesamtdauer Arbeitgeber
im 1. Dienstjahr6 Wochen4 Wochen10 Wochen
ab dem 2. Dienstjahr8 Wochen4 Wochen12 Wochen
ab dem 16. Dienstjahr10 Wochen4 Wochen14 Wochen
ab dem 26. Dienstjahr12 Wochen4 Wochen16 Wochen
Entgeltfortzahlung im Krankenstand nach Dauer des Arbeitsverhältnisses gem. EFZG und AngG
Rechtsgrundlage

Entgeltfortzahlung im Krankenstand

Der Zeitraum, in dem der Arbeitgeber im Krankenstand das Entgelt weiterzahlt, gestaffelt nach Dienstjahren (EFZG, AngG).

Aktueller Wert6 WochenVolles Entgelt im 1. Dienstjahr
  • Volles Entgelt von 6 Wochen im ersten Dienstjahr bis 12 Wochen ab dem 26. Dienstjahr
  • Danach 4 Wochen halbes Entgelt, dazu das halbe Krankengeld
  • Der Anspruch gilt je Arbeitsjahr, mehrere Krankenstände werden zusammengezählt
  • Bei Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten gilt ein eigener, längerer Anspruch
  • Kündigt der Arbeitgeber im Krankenstand, läuft die Entgeltfortzahlung weiter
BehördenwegZum Rechner

Arbeitnehmerveranlagung (Lohnsteuerausgleich)

Rückforderung zu viel bezahlter Lohnsteuer beim Finanzamt Österreich.

Aktueller Wert13.539 €Einkommen ohne Einkommensteuer
  • Kann bis zu 5 Jahre rückwirkend eingereicht werden
  • Vollständig digital über FinanzOnline / ID Austria durchführbar
  • Antragslose Veranlagung greift ab der zweiten Jahreshälfte für einfache Fälle automatisch
  • Wie viel zurückkommt, hängt von Einkommen, Absetzbeträgen und Ausgaben ab

Krankengeld: Höhe und Dauer

Wenn der Arbeitgeber nicht mehr voll zahlt, springt die Gesundheitskasse ein.

Das Krankengeld beträgt bis zum 42. Tag der Arbeitsunfähigkeit 50 % der Bemessungsgrundlage, ab dem 43. Tag 60 %. Bemessungsgrundlage ist im Wesentlichen der Verdienst im letzten vollen Kalendermonat vor dem Krankenstand; Sonderzahlungen fließen anteilig ein.

Der Anspruch besteht grundsätzlich für 26 Wochen. Wer in den letzten zwölf Monaten mindestens sechs Monate versichert war, hat Anspruch auf 52 Wochen. Im Einzelfall kann die Gesundheitskasse auf bis zu 78 Wochen verlängern, wenn Aussicht auf Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit besteht.

Solange der Arbeitgeber das halbe Entgelt zahlt, ruht das Krankengeld zur Hälfte: Auf dem Konto landen halbes Entgelt plus halbes Krankengeld. Erst danach kommt das volle Krankengeld.

Warum daraus eine Pflichtveranlagung wird

Zwei Stellen zahlen aus, zwei Lohnzettel gehen ans Finanzamt, und keine der beiden kennt die andere.

Der Arbeitgeber übermittelt für die Zeit der Entgeltfortzahlung einen Lohnzettel (L16), die Gesundheitskasse für das Krankengeld einen eigenen. Beide versteuern getrennt und jeweils so, als wäre es das einzige Einkommen des Jahres.

Beim Krankengeld behält die Kasse vorläufig 20 % Lohnsteuer nur von dem Teil ein, der 30 Euro am Tag übersteigt (§ 69 Abs. 2 EStG). Das ist ein pauschaler Abzug, kein endgültiger: Steuerpflichtig ist das gesamte Krankengeld, auch die ersten 30 Euro je Tag.

Am Jahresende addiert das Finanzamt beide Bezüge. Weil der Steuertarif progressiv ist, ergibt die Summe fast immer einen höheren Steuersatz als die getrennte Abrechnung. Der Krankengeldbezug löst die Pflichtveranlagung aus (§ 41 Abs. 1 Z 10 EStG), unabhängig von der Höhe des Jahreseinkommens, und führt häufig zu einer Nachzahlung. Die Grenze von 14.769 € in § 42 Abs. 1 Z 3 EStG betrifft nur die Pflicht, ohne Aufforderung eine Erklärung abzugeben, und gilt für Krankengeld nicht.

Bei Krankengeld allein ist eine Erklärung erst nach Aufforderung durch das Finanzamt abzugeben. Wer keine Erklärung abgibt, wird von Amts wegen veranlagt, und dann fehlen die eigenen Absetzposten; die Erklärung selbst einzureichen lohnt sich daher. Besteht zusätzlich ein anderer Grund mit Erklärungspflicht, etwa andere Einkünfte über 730 € bei einem Jahreseinkommen über 14.769 €, gilt der 30. April des Folgejahres, über FinanzOnline der 30. Juni. Anders als bei der freiwilligen Veranlagung lässt sich die Erklärung nicht zurückziehen, wenn eine Nachzahlung herauskommt.

Rechenbeispiel: drei Monate Krankenstand

3.000 Euro brutto monatlich, seit fünf Jahren im Betrieb, Krankenstand von Anfang Jänner bis Ende März.

Woche 1 bis 8: Volles Entgelt vom Arbeitgeber (ab dem zweiten Dienstjahr 8 Wochen). Es ändert sich nichts an der Abrechnung.

Woche 9 bis 12: Halbes Entgelt vom Arbeitgeber, dazu das halbe Krankengeld von der Gesundheitskasse. Das Krankengeld liegt in dieser Phase bei 60 % der Bemessungsgrundlage, weil der 43. Tag überschritten ist, ausbezahlt wird davon die Hälfte.

Ab Woche 13 (hier die letzten sechs Tage im März, denn Jänner bis März umfassen 90 Tage): volles Krankengeld von der Gesundheitskasse, ebenfalls mit 60 % der Bemessungsgrundlage.

Am Jahresende: Zwei Lohnzettel, getrennt versteuert. Das Finanzamt rechnet zusammen und schreibt die Differenz vor. Bei rund vier Wochen Krankengeldbezug bewegt sich die Nachzahlung typischerweise im niedrigen dreistelligen Bereich, bei längeren Bezügen entsprechend höher.

Krankheitskosten absetzen

Wer medizinische Ausgaben selbst trägt, kann sie als außergewöhnliche Belastung absetzen.

Krankheitskosten sind außergewöhnliche Belastungen (§ 34 EStG). Sie wirken erst, soweit sie den einkommensabhängigen Selbstbehalt übersteigen. Dieser liegt je nach Einkommen zwischen 6 % und 12 % und sinkt um je einen Prozentpunkt bei Anspruch auf den Alleinverdiener- oder Alleinerzieherabsetzbetrag und für jedes Kind, für das mehr als sechs Monate Familienbeihilfe bezogen wird.

Absetzbar sind unter anderem:

  • Rezeptgebühren und verordnete Medikamente
  • Selbstbehalte für Behandlungen und Spitalskostenbeiträge
  • Zahnersatz und Zahnbehandlungen
  • Brillen, Kontaktlinsen und andere Heilbehelfe
  • Kur- und Rehabilitationskosten
  • Fahrtkosten zur Behandlung

Ohne Selbstbehalt wirken Kosten bei einer festgestellten Behinderung ab 25 Prozent, Kosten einer auswärtigen Berufsausbildung von Kindern und Katastrophenschäden.

Ersätze der Krankenkasse oder einer Zusatzversicherung sind abzuziehen, absetzbar ist nur, was tatsächlich aus eigener Tasche bezahlt wurde. Belege sind sieben Jahre aufzubewahren.

Rechte und Pflichten im Krankenstand

Meldepflicht, Urlaub, Kündigung und Wiedereingliederung.

Meldepflicht: Die Arbeitsunfähigkeit ist dem Arbeitgeber unverzüglich zu melden. Eine ärztliche Bestätigung kann er verlangen; wer die Meldung unterlässt, verliert für diese Zeit den Anspruch auf Entgeltfortzahlung.

Verhalten im Krankenstand: Erlaubt ist, was die Genesung nicht beeinträchtigt. Wer den Heilungsverlauf gefährdet, riskiert die Entlassung. Ausgehzeiten auf der Krankmeldung sind einzuhalten.

Krank im Urlaub: Dauert eine Erkrankung im Urlaub länger als drei Kalendertage, zählen diese Tage nicht als Urlaub (§ 5 Urlaubsgesetz). Voraussetzung: Die Erkrankung wird unverzüglich gemeldet und nach der Rückkehr ärztlich bestätigt.

Wiedereingliederungsteilzeit: Nach einem mindestens sechswöchigen ununterbrochenen Krankenstand lässt sich mit dem Arbeitgeber vereinbaren, die Arbeitszeit befristet um 25 bis 50 Prozent zu reduzieren (§ 13a AVRAG). Die Gesundheitskasse zahlt ein anteiliges Wiedereingliederungsgeld dazu, das steuerlich wie Krankengeld behandelt wird.

Was tun bei einer Steuernachzahlung?

Schreibt der Bescheid eine Nachzahlung vor, lassen sich Raten oder ein Aufschub beantragen.

Eine Nachzahlung aus der Veranlagung ist einen Monat nach Zustellung des Bescheids fällig.

Wer sie nicht auf einmal zahlen kann, beantragt vor Ablauf dieser Frist eine Zahlungserleichterung nach § 212 BAO, also Stundung oder Ratenzahlung, etwa über FinanzOnline. Bei rechtzeitigem Antrag fällt kein Säumniszuschlag an; für gestundete Beträge können Stundungszinsen anfallen.

Häufige Fragen

Wie lange zahlt der Arbeitgeber im Krankenstand weiter?

Im ersten Jahr des Arbeitsverhältnisses 6 Wochen volles und 4 Wochen halbes Entgelt. Ab dem zweiten Jahr 8 Wochen voll, ab dem 16. Jahr 10 Wochen und ab dem 26. Jahr 12 Wochen, jeweils plus 4 Wochen halbes Entgelt. Die Ansprüche gelten je Arbeitsjahr. Bei Arbeitsunfällen gilt ein eigener Anspruch.

Wie hoch ist das Krankengeld?

50 % der Bemessungsgrundlage, ab dem 43. Tag der Arbeitsunfähigkeit 60 %. Bemessungsgrundlage ist im Wesentlichen der letzte Monatsverdienst. Weil Sonderzahlungen nur anteilig einfließen, liegt das Krankengeld deutlich unter dem gewohnten Nettogehalt.

Warum folgt auf einen Krankenstand oft eine Steuernachzahlung?

Weil Arbeitgeber und Gesundheitskasse getrennt abrechnen und jeder für sich versteuert, als wäre es das einzige Einkommen. Beim Krankengeld werden vorläufig nur 20 % von dem Teil einbehalten, der 30 Euro pro Tag übersteigt; steuerpflichtig ist aber das gesamte Krankengeld. Am Jahresende addiert das Finanzamt beide Bezüge, der progressive Tarif ergibt dann einen höheren Steuersatz.

Lässt sich die Pflichtveranlagung vermeiden?

Nein. Bei Bezug von Krankengeld besteht Pflichtveranlagung (§ 41 Abs. 1 Z 10 EStG), unabhängig von der Höhe des Jahreseinkommens; die Grenze von 14.769 € gilt dafür nicht (§ 42 Abs. 1 Z 3 EStG). Eine Erklärung ist bei Krankengeld allein erst nach Aufforderung durch das Finanzamt abzugeben. Ohne Erklärung veranlagt das Finanzamt von Amts wegen, dann ohne die eigenen Absetzposten. Anders als bei der freiwilligen Arbeitnehmerveranlagung lässt sich die Veranlagung nicht zurückziehen, wenn eine Nachzahlung herauskommt.

Was hilft, wenn die Nachzahlung nicht sofort bezahlt werden kann?

Vor Ablauf der Zahlungsfrist von einem Monat eine Zahlungserleichterung (Stundung oder Raten) nach § 212 BAO beantragen, etwa über FinanzOnline.

Welche Krankheitskosten sind absetzbar?

Rezeptgebühren, Behandlungs-Selbstbehalte, Zahnersatz, Brillen, Heilbehelfe, Kur- und Rehakosten sowie Fahrtkosten zur Behandlung. Sie wirken aber erst über dem einkommensabhängigen Selbstbehalt von 6 bis 12 Prozent. Ersätze von Kasse oder Zusatzversicherung sind abzuziehen.

Ist eine Kündigung während des Krankenstands möglich?

Ja, ein Krankenstand schützt nicht vor einer Kündigung. Die Entgeltfortzahlung läuft aber über das Ende des Arbeitsverhältnisses hinaus weiter, bis der Anspruch ausgeschöpft ist (§ 5 EFZG, § 9 AngG).

Verfällt Urlaub, wenn man im Urlaub krank wird?

Nein. Dauert die Erkrankung länger als drei Kalendertage, werden diese Tage nicht auf den Urlaub angerechnet. Voraussetzung: Die Erkrankung wird unverzüglich gemeldet und nach der Rückkehr ärztlich bestätigt.

Allgemeine Information ohne Gewähr, keine individuelle Steuerberatung. Maßgeblich sind die geltenden Gesetze und der Bescheid des Finanzamts. Beträge und Grenzen ändern sich mit jedem Steuerjahr.

Quellen und Rechtsgrundlagen

Die Zahlen auf dieser Seite stammen aus den folgenden amtlichen Quellen. Im Zweifel gilt die Quelle, denn Beträge und Regeln ändern sich jährlich.

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