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Steuereinfacher Broker (Österreich)
Broker mit österreichischer Banklizenz oder Steuermelde-Sitz, die KESt und AgE automatisch abführen.
- Keine manuelle Eintragung in der Steuererklärung (Formular E1kv) nötig
- Automatischer Verlustausgleich innerhalb desselben Kalenderjahres
- Meldefonds (OeKB-Meldung) werden steuerlich korrekt abgerechnet
- Beispiele in AT: Flatex, Trade Republic, DADAT, easybank
Was du ohne steuereinfachen Broker jedes Jahr tun musst
Vier Arbeitsschritte, von denen drei fehleranfällig sind.
1. Realisierte Gewinne und Verluste zusammenstellen. Für jeden Verkauf: Anschaffungskurs, Verkaufskurs, Datum, Spesen. Bei mehreren Käufen desselben Papiers gilt der gleitende Durchschnittspreis – nicht die Reihenfolge der Käufe.
2. Ausschüttungsgleiche Erträge ermitteln. Bei thesaurierenden Fonds entstehen jährlich steuerpflichtige Erträge, auch ohne dass Geld fließt. Bei Meldefonds sind die Werte über die Oesterreichische Kontrollbank abrufbar; bei Nicht-Meldefonds greift eine pauschale Besteuerung, die in der Regel höher ausfällt.
3. Anschaffungskosten fortschreiben. Die bereits versteuerten ausschüttungsgleichen Erträge erhöhen die steuerlichen Anschaffungskosten. Wer das nicht mitführt, versteuert beim Verkauf denselben Ertrag ein zweites Mal. Diese Fortschreibung ist der Punkt, an dem die meisten Fehler passieren.
4. Alles in die Beilage E1kv eintragen und mit der Einkommensteuererklärung einreichen.
Der Aufwand ist überschaubar, wenn du einen ETF besparst und nie verkaufst. Er wird schnell erheblich, sobald mehrere Positionen, Verkäufe, Fremdwährungen oder Fondswechsel dazukommen.
Was ein Fehler kostet
Die Verantwortung liegt bei dir. Werden Erträge nicht oder falsch erklärt, ist das eine unrichtige Abgabenerklärung – mit Nachzahlung, möglichen Anspruchszinsen und im schlimmsten Fall finanzstrafrechtlichen Folgen.
Der häufigste teure Fehler ist die nicht fortgeschriebene Anschaffungskostenbasis: Beim Verkauf nach zehn Jahren Thesaurierung wird der gesamte Kursanstieg versteuert, obwohl ein Teil davon jährlich schon versteuert wurde. Bei 27,5 % auf einen fünfstelligen Betrag ist das schnell mehr, als der Broker über die Jahre an Gebühren gespart hat.
Selbstanzeige ist möglich, solange keine Prüfung eingeleitet ist – sie erspart die Strafe, nicht die Nachzahlung.
Steuer-Tools nehmen einen Teil der Arbeit ab und kosten je nach Anbieter einen Jahresbeitrag. Diesen Betrag gehört in den Kostenvergleich mit einem steuereinfachen Broker – dann relativiert sich die Ersparnis bei den Ordergebühren oft vollständig.
So hältst du die Kosten niedrig
Auf die Fondskosten achten. Die laufende Kostenquote des Fonds wirkt jedes Jahr auf das gesamte Vermögen – sie ist auf lange Sicht bedeutender als jede Ordergebühr. Ein Prozentpunkt Unterschied über 20 Jahre macht einen erheblichen Teil des Endvermögens aus.
Depotgebühr als Fixbetrag bevorzugen. Eine prozentuelle Depotgebühr wächst mit dem Depot mit. Bei 0,12 % und 100.000 € Depotwert sind das 120 € im Jahr – bei einem Fixbetrag bleibt es beim selben Betrag wie am Anfang.
Sparplan statt Einzelorder. Viele Anbieter führen ETF-Sparpläne kostenlos aus, während dieselbe Order als Einzelkauf Gebühren auslöst.
Nicht unnötig umschichten. Jeder Verkauf realisiert Gewinne und löst Kapitalertragsteuer aus. Wer liegen lässt, verschiebt die Steuer in die Zukunft – dieser Steuerstundungseffekt ist bei langen Zeiträumen ein realer Vorteil.
Verrechnungskonto klein halten. Nicht investiertes Geld gehört aufs Girokonto oder Tagesgeld, nicht dauerhaft aufs Verrechnungskonto.
Häufige Fragen
Was genau bedeutet steuereinfach?
Drei Dinge zusammen: automatische Abfuhr der Kapitalertragsteuer, Verlustausgleich innerhalb des Depots und eine Jahressteuerbescheinigung. Nur wenn alle drei erfüllt sind, entfällt für dich die jährliche Deklaration vollständig.
Was ist die Beilage E1kv?
Die Beilage zur Einkommensteuererklärung, in der Kapitalerträge ohne KESt-Abzug erklärt werden – realisierte Kursgewinne, Dividenden und bei Fonds die ausschüttungsgleichen Erträge. Sie ist bei jedem nicht steuereinfachen Broker jährlich fällig.
Was sind ausschüttungsgleiche Erträge?
Erträge, die ein thesaurierender Fonds erwirtschaftet und nicht auszahlt, sondern wieder anlegt. Sie sind trotzdem jährlich steuerpflichtig. Bei Meldefonds werden die Werte über die Oesterreichische Kontrollbank veröffentlicht; bei Nicht-Meldefonds wird pauschal besteuert, meist ungünstiger.
Warum muss ich die Anschaffungskosten fortschreiben?
Weil die jährlich versteuerten ausschüttungsgleichen Erträge die steuerlichen Anschaffungskosten erhöhen. Wer das nicht mitführt, versteuert beim Verkauf denselben Ertrag ein zweites Mal. Das ist der häufigste und teuerste Fehler bei nicht steuereinfachen Depots.
Kann sich der Status ändern?
Ja. Anbieter werden steuereinfach oder verlieren den Status. Prüfe ihn deshalb vor der Kontoeröffnung direkt beim Anbieter und nicht nur in einem Vergleich – und behalte Mitteilungen dazu im Auge.
Risikohinweis: Investieren ist mit Risiken verbunden, bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für die Zukunft.
Allgemeine Information ohne Gewähr, keine Anlage-, Steuer- oder Finanzberatung und keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Konditionen sind Richtwerte mit dem Stand der letzten redaktionellen Prüfung.
Quellen und Rechtsgrundlagen
Die Zahlen auf dieser Seite stammen aus den folgenden amtlichen Quellen. Prüfe im Zweifel dort nach – Beträge und Regeln ändern sich jährlich.
- BMF / OeKB: § 93 EStG (KESt-Abzug) – Rechtsgrundlage für Steuereinfacher Broker (Österreich)
- RIS: Einkommensteuergesetz 1988 (EStG), geltende Fassung – § 93 EStG – Abzugsverpflichtung für die Kapitalertragsteuer
